Bedürfnisse sind keine Wünsche, die man sich erfüllen lässt, und sie sind auch keine Forderungen. Sie sind das, was Menschen zum Leben und zur emotionalen Gesundheit brauchen: Nähe, Sicherheit, Autonomie, Anerkennung, Verständnis, Lust, Verbindung. In einer Partnerschaft treffen zwei Menschen mit unterschiedlichen Prägungen, Kindheitserfahrungen und Vorstellungen aufeinander, und jeder bringt dabei ein eigenes Set an Bedürfnissen mit. Das allein ist noch kein Problem. Zum Problem wird es, wenn diese Bedürfnisse unsichtbar bleiben oder das Gefühl da ist, dass diese unangebracht sind.
Viele Menschen wissen gar nicht genau, was sie brauchen. Und noch mehr Menschen wissen es zwar, trauen sich aber nicht, es auszusprechen. Aus Angst vor Ablehnung, aus Scham, oder weil sie früh gelernt haben, dass ihre Bedürfnisse zu viel sind. Deshalb werden Bedürfnisse in der Beziehung oft verkleidet: als Vorwurf, als Unterstellung, als Rückzug, als Stille, als Streit über Kleinigkeiten.